Vortrag und Sonderkonzert

Zum Vortrag: „KLEINE HÄNDE – GROSSER PROFIT“   
Kinderarbeit - Welches ungeahnte Leid sich in unserer Warenwelt verbirgt
 
Grabsteine aus Kinderhand?
Kann es sein, dass auch auf unseren Friedhöfen Grabsteine stehen, die unter schlimmsten
Formen von Kinderarbeit hergestellt worden sind? Es ist sogar sehr wahrscheinlich. In seinem
2017 erschienen Buch „KLEINE HÄNDE – GROSSER PROFIT“ bemerkt der Kinderarbeitsexperte
Benjamin Pütter: „50 000 Tonnen Granit exportiert Indien direkt nach Deutschland. Zurzeit gibt es
etwa 150 indische Handelssorten, die verkaufsfördernde Fantasienamen wie Paradiso, Himalayan
Multicolor, Golden Galaxy oder Midnight Green tragen. Deutschland ist der viertwichtigste
Importeur für Indien.“ Als Mitarbeiter von deutschen Hilfsorganisationen wie Misereo, Brot für die
Welt und dem Kindermissionswerk „Die Sternensinger“ war Benjamin Pütter in den letzten
Jahrzehnten unzählige Male vor Ort. Seine Erfahrungen fasste er wie folgt zusammen: „Die
Gespräche mit den Kindern und ihren Familien ebenso wie die Grausamkeit der Minenpächter
kann ich nicht vergessen. Diese Bilder kommen mir vor allem dann in den Sinn, wenn manche
Steinmetze sich mir gegenüber geradezu lustig machen über dieses Thema. Die Schicksale der
Kinder jedoch motivieren mich, das Unrecht beim Namen zu nennen.“ Und ich möchte einige
weitere Sätze aus dem genannten Buch von Benjamin Pütter zitieren: „In allen Steinbrüchen, die
ich unangekündigt aufsuchte, traf ich auf Kinderarbeit und Kindersklaven. Es gab keinen einzigen
Exportsteinbruch, der ohne Kinderarbeit produzierte. … Ich sah Kinder mit Sprengstoff hantieren
und mit Presslufthämmern arbeiten. … Solche Recherchen sind sehr gefährlich, da die
Exportsteinbrüche durch bewaffnete Wachleute gesichert sind. Außer mir versuchten dies in den
letzten zehn Jahren meines Wissens nach nur drei weitere Personen: Das waren zum einen zwei
Arbeitsinspektoren der indischen Regierung – beide sind bei ihrem verdeckten Einsatz erschossen
worden. Zum anderen versuchte ein indischer Journalist, in eine Mine zu kommen – er wurde, wie
mehrere indische Zeitungen berichteten, bei lebendigem Leibe verbrannt und auf eine Müllhalde
geworfen. … Vier deutsche Handelsgerichte verboten Norbert Blüm und mir, Kommunen darauf
hinzuweisen, in ihren Friedhofssatzungen Verordnungen aufzunehmen, die es verbieten,
Grabsteine aufzustellen, die in ausbeuterischer Kinderarbeit hergestellt sind. … Was für ein „Sieg“
für die deutschen Steinimporteure: Sie haben sich vor deutschen Gerichten das Recht erstritten,
Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit verkaufen zu dürfen!“ Aber wir sind nicht gezwungen,
diese Produkte auch zu kaufen! Wenn wir Naturstein für Grabmale oder andere Baumaßnahmen
nutzen wollen, können wir auf zertifizierte Steine Wert legen. Die Siegelbewertungsseite der
Bundesregierung www.siegelklarheit.de empfiehlt unter anderem das von Benjamin Pütter initiierte
Siegel XertifiX. Ökologisch sinnvoller sind natürlich Materialien aus der Region wie sächsischer
Sandstein oder Holz.
                       Matthias Piel, Kirchvorsteher und Vorsitzender des Friedhofsausschuss

https://de.wikipedia.org/wiki/Kinderarbeit_in_Indien

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