Gemeindepuzzle: Leben in unserer Gemeinde

Teil 1: Der Seniorenkreis

Graupa, 10. Oktober 2018. Im Pfarrhaus duftet es nach Kaffee.
Als wir kommen, sind schon fast alle Plätze um den großen Tisch besetzt. Auch jemand Neues ist gekommen und wird freundlich begrüßt. Eine wunderbar lebendige Stimmung füllt den Raum. Später im Gespräch, als es darum geht, zu überlegen, warum man gerne zum Seniorenkreis kommt, bringen es Teilnehmerinnen auf den Punkt: „Hier ist Gemeinschaft“, sagt jemand und „wir kommen schon jahrelang her“.
Man kennt sich hier. Man feiert gemeinsam Geburtstag mit leckerem Kuchen. Jemand sagt nachdenklich: „Die Gruppe nimmt Anteil am Einzelnen.“ „Und die Themen!“ schwärmt jemand anderes. Und die sind wirklich sehr vielfältig!
Genannt werden z. B. eine Reihe von mehreren Nachmittagen über Frauen und Männer in der Bibel, es ging schon um den Hl. Ägidius, um Paul Gerhardt oder um Luthers Verhältnis zu den Juden. Aber auch Reise- und Länderinformationen mit Bildern gab es sowie auch Seniorenkreise zur aktuellen Politik wie etwa zur Flüchtlingssituation. Auch die ganz persönlichen Themen gibt es. Etwa das Nachdenken über die „Kirchen meines Lebens“ (Wie war das in der Gemeinde in den Siebzigern oder sogar in den 50er Jahren?). Heute sollen „Geschichten vom Ernten“ erzählt werden. Ganz passend dazu ist der Tisch geschmückt, mit bunten Herbstblumen, Beeren, Blättern. „Das macht Frau Gärtner immer so wunderschön“ freut sich jemand und alle stimmen in den Dank an Frau Gärtner ein.Damit sind wir beim Danke-Sagen an die hilfreichen „guten Geister“, die die Seniorenkreise vorbereiten. Viel Dank geht an Frau Mauer, die über lange Jahre hin die Treffen vorbereitete. Später übernahm diese Aufgabe dann Frau Herrmann, sie sorgt nun für den festlich gedeckten Tisch, den Kuchen, die Brötchen. Dafür sei ihr herzlich gedankt! Ein ganz großes Dankeschön geht an Pfarrer Nitzsche, seine interessanten und immer sorgfältig vorbereiteten Themen, seine guten geistlichen Worte und sein Gitarrespiel, mit dem das gemeinsame Singen noch mehr Spaß macht.
Und wie lange gibt es den Seniorenkreis eigentlich schon? „Ja… wie war das…vielleicht seit der Zeit von Pfarrer Oertel? Oder vielleicht schon bei Pfarrer Ganßauge?“ So genau weiß man das gar nicht mehr. Irgendwie war er schon immer da, er gehört einfach dazu, ein Teil unseres Lebens und des Lebens der Gemeinde. Und so soll es auch weiter bleiben!
W.H.

Teil 2: Die Stunde der Gemeinde

Wenn die „Stunde der Gemeinde“ im Diakonischen Altenzentrum Graupa angesagt ist, treten vier findige Frauen ehrenamtlich in Aktion. Sie bieten alle 14 Tage dienstags - und zwar im Wechsel mit dem Gottesdienst - ein neues Thema an. Mitgebrachte Requisiten für den Auftritt werden in der Kreismitte des Raumes platziert. Warum? Um durch gezielte Fragen die Heimbewohner anschaulich zum Nachdenken, Erinnern und Mitmachen anzuregen. Sichtliche Freude spürt man, wenn die Runde aus etwa 25 Teilnehmern spontan antwortet. Erika Furkert, Elke Meinhardt, Gerlinde Schröder u. Edith Wenzel sind diesem „Job“ schon 10 Jahre und länger treu. Im Oktober hatten sie passend zur Jahreszeit Boten des Herbstes dabei: Kastanien, Eicheln, kleine Kürbisse, bun- tes Laub oder dann beim Farbenquiz bunte Tücher, Papierrollen und Blumen als sichtbaren Ausdruck der Farbenpracht in unserer Umwelt. Zurufe aus der Runde benennen dann Begriffe oder Dinge, die zu den Farben passen. Oft trägt man dazu Reime vor oder singt gemeinsam. „Das lockert auf und regt an“, wissen die Frauen. Auch eine Märchenstunde zum Anfassen mit herumgereichtem Zubehör gibt es. Um welches Märchen es geht, weiß man ganz gut - vom früheren Vorlesen daheim. Man merkt den Heimbewohnern den Spaß am Überlegen und Erinnern an. Auch wenn sie geistig recht verschieden geprägt oder dement sind. Leicht fällt es Brigitta Gäbler (80) oder Gerlinde Winkelmann (81). Während manche noch zögern, erfassen sie schnell, was es mit den Kieseln bei „Hänsel und Gretel“, dem Apfel bei „Schneewittchen“ oder dem Kochlöffel beim „Süßen Brei“ auf sich hatte. „Es tut gut, den Kopf anzustrengen“, meint Frau Winkelmann. „Ohne Stunde der Gemeinde’ würde mir was fehlen“, ergänzt Frau Gäbler. Die Runde kennt natürlich auch die Kirchenfeiertage. Großes Thema ist nun wieder der Advent. Die Stunde der Gemeinde wurde unter Pfarrer Müller mit dem Einzug in den Neubau 1997 aus der Taufe gehoben, nachdem es vorher eine aufs Basteln gerichtete Stunde gab. Der Kirchgemeinde war klar: Umsorgen bedeutet nicht nur Kümmern um das leibliche Wohl, sondern in gleichem Maß um Geist und Seele. Und das gilt bis heute.
Hannelore Angermann

Wir setzen heute die im vorangegangenen Gemeindebrief eröffnete Reihe über die Vielzahl von Gruppen, Initiativen und Begegnungen in unserer Kirchgemeinde mit der „Stunde der Gemeinde“ fort. Es wäre schön, zu der neuen Artikelserie Ihre Anregungen und Meinungen zu erfahren, um im Laufe der nächsten Zeit auf möglichst viele Wünsche eingehen zu können.

Teil 3: Der Besuchsdienst

Hand aufs Herz: Wer freut sich nicht über Glückwünsche zum Geburtstag? Wohl jeder. Aus dem Gemeindeleben ist das Gratulieren deshalb nicht wegzudenken. Es soll vor allem dort Verbundenheit erhalten, wo sie leicht abzubrechen droht. Etwa wenn Ältere aus gesundheitlichen Gründen oft nur noch eingeschränkt am Gemeindeleben teilhaben. Und weil der Pfarrer das nicht allein schaffen würde, gibt es den Besuchsdienst. Runde Geburtstage übernimmt der Pfarrer in der Regel selbst. Für die anderen stehen derzeit sechs ehrenamtliche Helfer bereit: In Graupa/Jessen Karin Herrmann, Ulrike Kaltofen und Christine Schmidt. Edith Wenzel ist Gratulantin speziell im Diakonischen Altenzentrum, in Bonnewitz ist Birgit Kretschmar und in Birkwitz Gerd Döge zuständig. In Liebethal war es jahrelang Anett Groß, jetzt wird Irina Hradsky ihre Nachfolge übernehmen. Voriges Jahr schied Gudrun Mauer nach mehr als 20 Jahren aus. Lange Zeit war sie als Einzige in Graupa - und immer per pedes - auf Gratulationstour. Ihr gebührt besonderer Dank. Die Gruppe trifft sich zweimal im Jahr, um die Listen mit den Jubilaren aufzuteilen. Zwischen 10 und 20 Besuche kommen jährlich auf jeden. Die Helfer besorgen Blumen und übergeben sie, mit einer kleinen Festschrift und Segenswünschen der Kirchgemeinde, den Geburtstagskindern. Manche Gratulation erfolgt einfach an der Wohnungstür. Andere Jubilare bitten an die Kaffeetafel und es ergeben sich im Idealfall anregende Gespräche. Mitunter erhalten die Helfer auch Spenden für die Kirchgemeinde. Im Diakonischen Altenzentrum Graupa wird die Geburtstagstafel schön geschmückt und Edith Wenzel setzt sich ein Weilchen dazu, oft gemeinsam mit Angehörigen. Selten kommt es mal zu einer Panne, etwa wenn jemand verzogen und die neue Adresse nicht bekannt ist. „Deshalb ist es wichtig, die Listen, trotz verschärftem Datenschutz stets dem aktuellen Stand anzupassen“, meint Gerd Döge. Karin Herrmann findet es gut, dass es kleine Ausweise für die Helfer gibt, damit sie sich bei Bedarf legitimieren können. „Freude ist immer zu spüren, wenn die Menschen merken, dass man sie nicht vergessen hat, auch wenn sie alt und gebrechlich geworden sind.“ Hannelore Angermann

Teil 4: Die Friedhofsmitarbeiter

Vielleicht hat sich schon mancher gefragt, wer die „Heinzelmännchen“ sind, die den Graupaer Friedhof zu einem solch gepflegten, sauberen und anmutigen Ort machen. Das Gemeindepuzzle- Redaktionsteam hat die Friedhofsmitarbeiter besucht, die so unauffällig, fast unsichtbar für die Friedhofsbesucher ihre Arbeit verrichten. Im Gespräch erfahren wir, wie umfangreich diese Aufgaben sind. Da sind nicht nur die Pflegearbeiten für Wege, Mauern und Bäume, auch Rasen mähen, Schnee schippen, Laub harken, Hecken schneiden gehören dazu, genauso wie das Betreiben der Kompostieranlage und die Beräumung der Abfälle. Die Männer sind bei Bestattungen dabei, sie tragen den Sarg oder die Urne, die Vor- und Nachbereitung der Beerdigungen und Beisetzungen liegt mit in ihren Händen. Sie kümmern sich aber auch um die Pflege des Parkplatzes, halten die Werkzeuge und Gartengeräte instand, reparieren die mutwillig zerstörte Sammelbox, ersetzen geklaute Gießkannentüllen, kurz: Sie sind die „guten Geister“, die über allem, was auf dem Friedhof geschieht, ihre ordnenden Hände haben. Aber auch wenn es um die Feierhalle oder die Kirche geht, wie etwa beim Ausbau der Teeküche in der Kirche waren die Männer hilfreich dabei. Wir treffen uns heute im kleinen Pausenraum der Feierhalle mit den Mitarbeitern, Herrn Müller, Herrn Johne und Herrn Tittel. Auch Herrn Tittels Frau und Frau Herzog von nebenan sind dabei. Von den beiden Frauen wird gern für das leibliche Wohl der Männer gesorgt, so trifft man sich immer dienstags nach getaner Arbeit in gemütlicher Runde. „Was freut einen Friedhofsarbeiter?“ wollen wir wissen. „Wenn im Frühling die Sonne rauskommt und wir die Bänke reparieren, streichen und rausstellen, das ist schön!“ meint Herr Tittel, der zugleich Dienstältester hier auf dem Friedhof ist, seit 17 Jahren ist er dabei. „Wir wollen, dass die Leute sich freuen, und es ist schön, wenn sie uns das auch mal sagen“ sagt ein anderer der Männer und alle nicken bestätigend. „Und wie fühlt man sich, jeden Tag der Vergänglichkeit des Lebens so nahe?“ fragen wir. Nein, der Umgang mit dem Tod sei nicht immer leicht. Die Männer werden nachdenklich bei dieser Frage. Ein wenig Berufsroutine sei da auch
dabei, man lasse es halt nicht so an sich ran. Aber manchmal bewege es einen doch, meint einer von ihnen, etwa wenn man jemand zu Grabe trägt, den man gut gekannt hat. Oder wenn ein Kind verstorben sei. Doch das sei zum Glück selten! Es hat sich herumgesprochen: Der Graupaer Friedhof ist einer der schönsten und gepflegtesten in der Umgebung. Anfragen kommen nicht nur aus Graupa und den umliegenden Orten, sondern immer mehr auch aus Pirna und Dresden. Darauf sind die Männer -mit Recht- stolz! W.H.

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