Gemeindepuzzle: Leben in unserer Gemeinde

Der Kirchenvorstand hat in seiner Klausurtagung im April 2018 über das Gemeindeleben nachgedacht. Wir haben festgestellt: Es gibt eine Vielzahl an Gruppen und Initiativen, Begegnungen und Aktivitäten, viele Menschen arbeiten ehrenamtlich oder in Anstellung an vielen Aufgaben. Und wir haben auch gemerkt, dass wir oft nicht viel voneinander wissen. Wie bei einem Puzzle-Spiel mit vielen kleinen Teilen, das ja doch ein Ganzes ergeben soll. Damit dieses Ganze wachsen und sichtbarer werden kann, sollen in den Kirchennachrichten nach und nach einzelne Gruppen vorgestellt werden. Für diese Arbeit hat sich ein kleines Redaktionsteam gebildet. Herr Döge wird uns als Fotograf zur Seite stehen, vielen Dank dafür!

Teil 1: Der Seniorenkreis

Graupa, 10. Oktober 2018. Im Pfarrhaus duftet es nach Kaffee.
Als wir kommen, sind schon fast alle Plätze um den großen Tisch besetzt. Auch jemand Neues ist gekommen und wird freundlich begrüßt. Eine wunderbar lebendige Stimmung füllt den Raum. Später im Gespräch, als es darum geht, zu überlegen, warum man gerne zum Seniorenkreis kommt, bringen es Teilnehmerinnen auf den Punkt: „Hier ist Gemeinschaft“, sagt jemand und „wir kommen schon jahrelang her“.
Man kennt sich hier. Man feiert gemeinsam Geburtstag mit leckerem Kuchen. Jemand sagt nachdenklich: „Die Gruppe nimmt Anteil am Einzelnen.“ „Und die Themen!“ schwärmt jemand anderes. Und die sind wirklich sehr vielfältig!
Genannt werden z. B. eine Reihe von mehreren Nachmittagen über Frauen und Männer in der Bibel, es ging schon um den Hl. Ägidius, um Paul Gerhardt oder um Luthers Verhältnis zu den Juden. Aber auch Reise- und Länderinformationen mit Bildern gab es sowie auch Seniorenkreise zur aktuellen Politik wie etwa zur Flüchtlingssituation. Auch die ganz persönlichen Themen gibt es. Etwa das Nachdenken über die „Kirchen meines Lebens“ (Wie war das in der Gemeinde in den Siebzigern oder sogar in den 50er Jahren?). Heute sollen „Geschichten vom Ernten“ erzählt werden. Ganz passend dazu ist der Tisch geschmückt, mit bunten Herbstblumen, Beeren, Blättern. „Das macht Frau Gärtner immer so wunderschön“ freut sich jemand und alle stimmen in den Dank an Frau Gärtner ein.Damit sind wir beim Danke-Sagen an die hilfreichen „guten Geister“, die die Seniorenkreise vorbereiten. Viel Dank geht an Frau Mauer, die über lange Jahre hin die Treffen vorbereitete. Später übernahm diese Aufgabe dann Frau Herrmann, sie sorgt nun für den festlich gedeckten Tisch, den Kuchen, die Brötchen. Dafür sei ihr herzlich gedankt! Ein ganz großes Dankeschön geht an Pfarrer Nitzsche, seine interessanten und immer sorgfältig vorbereiteten Themen, seine guten geistlichen Worte und sein Gitarrespiel, mit dem das gemeinsame Singen noch mehr Spaß macht.
Und wie lange gibt es den Seniorenkreis eigentlich schon? „Ja… wie war das…vielleicht seit der Zeit von Pfarrer Oertel? Oder vielleicht schon bei Pfarrer Ganßauge?“ So genau weiß man das gar nicht mehr. Irgendwie war er schon immer da, er gehört einfach dazu, ein Teil unseres Lebens und des Lebens der Gemeinde. Und so soll es auch weiter bleiben!
W.H.

Teil 2: Die Stunde der Gemeinde

Wenn die „Stunde der Gemeinde“ im Diakonischen Altenzentrum Graupa angesagt ist, treten vier findige Frauen ehrenamtlich in Aktion. Sie bieten alle 14 Tage dienstags - und zwar im Wechsel mit dem Gottesdienst - ein neues Thema an. Mitgebrachte Requisiten für den Auftritt werden in der Kreismitte des Raumes platziert. Warum? Um durch gezielte Fragen die Heimbewohner anschaulich zum Nachdenken, Erinnern und Mitmachen anzuregen. Sichtliche Freude spürt man, wenn die Runde aus etwa 25 Teilnehmern spontan antwortet. Erika Furkert, Elke Meinhardt, Gerlinde Schröder u. Edith Wenzel sind diesem „Job“ schon 10 Jahre und länger treu. Im Oktober hatten sie passend zur Jahreszeit Boten des Herbstes dabei: Kastanien, Eicheln, kleine Kürbisse, bun- tes Laub oder dann beim Farbenquiz bunte Tücher, Papierrollen und Blumen als sichtbaren Ausdruck der Farbenpracht in unserer Umwelt. Zurufe aus der Runde benennen dann Begriffe oder Dinge, die zu den Farben passen. Oft trägt man dazu Reime vor oder singt gemeinsam. „Das lockert auf und regt an“, wissen die Frauen. Auch eine Märchenstunde zum Anfassen mit herumgereichtem Zubehör gibt es. Um welches Märchen es geht, weiß man ganz gut - vom früheren Vorlesen daheim. Man merkt den Heimbewohnern den Spaß am Überlegen und Erinnern an. Auch wenn sie geistig recht verschieden geprägt oder dement sind. Leicht fällt es Brigitta Gäbler (80) oder Gerlinde Winkelmann (81). Während manche noch zögern, erfassen sie schnell, was es mit den Kieseln bei „Hänsel und Gretel“, dem Apfel bei „Schneewittchen“ oder dem Kochlöffel beim „Süßen Brei“ auf sich hatte. „Es tut gut, den Kopf anzustrengen“, meint Frau Winkelmann. „Ohne Stunde der Gemeinde’ würde mir was fehlen“, ergänzt Frau Gäbler. Die Runde kennt natürlich auch die Kirchenfeiertage. Großes Thema ist nun wieder der Advent. Die Stunde der Gemeinde wurde unter Pfarrer Müller mit dem Einzug in den Neubau 1997 aus der Taufe gehoben, nachdem es vorher eine aufs Basteln gerichtete Stunde gab. Der Kirchgemeinde war klar: Umsorgen bedeutet nicht nur Kümmern um das leibliche Wohl, sondern in gleichem Maß um Geist und Seele. Und das gilt bis heute.
Hannelore Angermann

Wir setzen heute die im vorangegangenen Gemeindebrief eröffnete Reihe über die Vielzahl von Gruppen, Initiativen und Begegnungen in unserer Kirchgemeinde mit der „Stunde der Gemeinde“ fort. Es wäre schön, zu der neuen Artikelserie Ihre Anregungen und Meinungen zu erfahren, um im Laufe der nächsten Zeit auf möglichst viele Wünsche eingehen zu können.

Teil 3: Der Besuchsdienst

Hand aufs Herz: Wer freut sich nicht über Glückwünsche zum Geburtstag? Wohl jeder. Aus dem Gemeindeleben ist das Gratulieren deshalb nicht wegzudenken. Es soll vor allem dort Verbundenheit erhalten, wo sie leicht abzubrechen droht. Etwa wenn Ältere aus gesundheitlichen Gründen oft nur noch eingeschränkt am Gemeindeleben teilhaben. Und weil der Pfarrer das nicht allein schaffen würde, gibt es den Besuchsdienst. Runde Geburtstage übernimmt der Pfarrer in der Regel selbst. Für die anderen stehen derzeit sechs ehrenamtliche Helfer bereit: In Graupa/Jessen Karin Herrmann, Ulrike Kaltofen und Christine Schmidt. Edith Wenzel ist Gratulantin speziell im Diakonischen Altenzentrum, in Bonnewitz ist Birgit Kretschmar und in Birkwitz Gerd Döge zuständig. In Liebethal war es jahrelang Anett Groß, jetzt wird Irina Hradsky ihre Nachfolge übernehmen. Voriges Jahr schied Gudrun Mauer nach mehr als 20 Jahren aus. Lange Zeit war sie als Einzige in Graupa - und immer per pedes - auf Gratulationstour. Ihr gebührt besonderer Dank. Die Gruppe trifft sich zweimal im Jahr, um die Listen mit den Jubilaren aufzuteilen. Zwischen 10 und 20 Besuche kommen jährlich auf jeden. Die Helfer besorgen Blumen und übergeben sie, mit einer kleinen Festschrift und Segenswünschen der Kirchgemeinde, den Geburtstagskindern. Manche Gratulation erfolgt einfach an der Wohnungstür. Andere Jubilare bitten an die Kaffeetafel und es ergeben sich im Idealfall anregende Gespräche. Mitunter erhalten die Helfer auch Spenden für die Kirchgemeinde. Im Diakonischen Altenzentrum Graupa wird die Geburtstagstafel schön geschmückt und Edith Wenzel setzt sich ein Weilchen dazu, oft gemeinsam mit Angehörigen. Selten kommt es mal zu einer Panne, etwa wenn jemand verzogen und die neue Adresse nicht bekannt ist. „Deshalb ist es wichtig, die Listen, trotz verschärftem Datenschutz stets dem aktuellen Stand anzupassen“, meint Gerd Döge. Karin Herrmann findet es gut, dass es kleine Ausweise für die Helfer gibt, damit sie sich bei Bedarf legitimieren können. „Freude ist immer zu spüren, wenn die Menschen merken, dass man sie nicht vergessen hat, auch wenn sie alt und gebrechlich geworden sind.“ Hannelore Angermann

Teil 4: Die Friedhofsmitarbeiter

Vielleicht hat sich schon mancher gefragt, wer die „Heinzelmännchen“ sind, die den Graupaer Friedhof zu einem solch gepflegten, sauberen und anmutigen Ort machen. Das Gemeindepuzzle- Redaktionsteam hat die Friedhofsmitarbeiter besucht, die so unauffällig, fast unsichtbar für die Friedhofsbesucher ihre Arbeit verrichten. Im Gespräch erfahren wir, wie umfangreich diese Aufgaben sind. Da sind nicht nur die Pflegearbeiten für Wege, Mauern und Bäume, auch Rasen mähen, Schnee schippen, Laub harken, Hecken schneiden gehören dazu, genauso wie das Betreiben der Kompostieranlage und die Beräumung der Abfälle. Die Männer sind bei Bestattungen dabei, sie tragen den Sarg oder die Urne, die Vor- und Nachbereitung der Beerdigungen und Beisetzungen liegt mit in ihren Händen. Sie kümmern sich aber auch um die Pflege des Parkplatzes, halten die Werkzeuge und Gartengeräte instand, reparieren die mutwillig zerstörte Sammelbox, ersetzen geklaute Gießkannentüllen, kurz: Sie sind die „guten Geister“, die über allem, was auf dem Friedhof geschieht, ihre ordnenden Hände haben. Aber auch wenn es um die Feierhalle oder die Kirche geht, wie etwa beim Ausbau der Teeküche in der Kirche waren die Männer hilfreich dabei. Wir treffen uns heute im kleinen Pausenraum der Feierhalle mit den Mitarbeitern, Herrn Müller, Herrn Johne und Herrn Tittel. Auch Herrn Tittels Frau und Frau Herzog von nebenan sind dabei. Von den beiden Frauen wird gern für das leibliche Wohl der Männer gesorgt, so trifft man sich immer dienstags nach getaner Arbeit in gemütlicher Runde. „Was freut einen Friedhofsarbeiter?“ wollen wir wissen. „Wenn im Frühling die Sonne rauskommt und wir die Bänke reparieren, streichen und rausstellen, das ist schön!“ meint Herr Tittel, der zugleich Dienstältester hier auf dem Friedhof ist, seit 17 Jahren ist er dabei. „Wir wollen, dass die Leute sich freuen, und es ist schön, wenn sie uns das auch mal sagen“ sagt ein anderer der Männer und alle nicken bestätigend. „Und wie fühlt man sich, jeden Tag der Vergänglichkeit des Lebens so nahe?“ fragen wir. Nein, der Umgang mit dem Tod sei nicht immer leicht. Die Männer werden nachdenklich bei dieser Frage. Ein wenig Berufsroutine sei da auch
dabei, man lasse es halt nicht so an sich ran. Aber manchmal bewege es einen doch, meint einer von ihnen, etwa wenn man jemand zu Grabe trägt, den man gut gekannt hat. Oder wenn ein Kind verstorben sei. Doch das sei zum Glück selten! Es hat sich herumgesprochen: Der Graupaer Friedhof ist einer der schönsten und gepflegtesten in der Umgebung. Anfragen kommen nicht nur aus Graupa und den umliegenden Orten, sondern immer mehr auch aus Pirna und Dresden. Darauf sind die Männer -mit Recht- stolz! W.H.

Teil 5: Die „Kartoffelbauern“

Frühlingszeit ist Gartenzeit! Und was könnte schöner sein als gemeinsame Gartenarbeit vom Umgraben, Pflanzen, Säen bis zum Ernten! Das Allerschönste dabei ist aber die Gemeinschaft, die lustigen Pausengespräche, das Fachsimpeln über Mais, Kartoffeln und Bohnenanbau. Sogar eine Geburtstagsfeier gab es schon im „Gemeindegarten“. Familie Gärtner stellte das Gartenland zur Verfügung. Dann ging es mutig zur Sache um der recht üppigen Vegetation Herr zu werden. Die Kartoffeln liegen im Boden – zu Erntedank sollen sie auf dem Erntealtar liegen. Hier liegt eigentlich auch der Ausgangspunkt der Idee. Beim letzten Erntedankgottesdienst, den Pfarrer Nitzsche gemeinsam mit Gemeindegliedern gestaltete, ging es um den langen, mühsamen und arbeitsreichen Weg den es braucht, um die Gaben der Natur vom Samenkorn bis zur leckeren Mahlzeit oder zu nützlichen Dingen zu verarbeiten. Ganz praktisch wurde es zum Ende des Gottesdienstes mit dem Aufruf, eine Art Gemeindeacker zusammen zu bestellen. Nun trifft man sich in lockeren Abständen, per Handy verständig man sich und schon geht es los. Die Kartoffeln waren der Anfang, inzwischen gibt es Kürbispflanzungen, rustikale Bohnenstangen für die Aussaat nächste Woche, ein Kräuterbeet ist geplant. Gärtnern ist an sich schon ein sinnreiches Tun. Und doch ist es den „Gemeindegärtnern“ wichtig, ihre Arbeit in einen höheren Zusammenhang zu stellen - Arbeitspausen sind auch Zeiten des Besinnens und des Dankens, so gehört die Herrnhuter Tageslosung dazu und wird gemeinsam gelesen.
Möge es auf dem Gemeindeacker Wachsen und Gedeihen geben, von Kürbissen, Kartoffeln und Petersilie ebenso, wie von Zusammenhalt und Gemeinschaft!

Teil 6: Die Boten des Gemeindebriefes

Alle acht Wochen zu Monatsbeginn, bringt die Kirchgemeinde ihren Mitgliedern den Gemeindebrief ins Haus. Das sagt sich so einfach. Ist es aber nicht. Denn es wäre unmöglich, gäbe es keine engagierten ehrenamtlichen Boten. Sie sind es, die aktiv werden, wenn das Blatt bei Saxoprint Dresden gedruckt ist und nach Graupa geliefert wurde. Einige holen sich die abgezählten Exemplare selbst im Pfarramt ab, anderen werden sie ins Haus gebracht. Zwischen 5 und 50 schwankt die Zahl der Empfänger, die bei den einzelnen Austrägern auf der Liste stehen.
Derzeit sind 21 Ehrenamtliche in den Wohngebieten von Graupa-Liebethal unterwegs. Knapp 800 Briefe werden insgesamt verteilt.
Für einige Boten ist das Austragen alle zwei Monate ein lockeres Ritual geworden. Für manche hat es sogar meditative Züge - sie sind gern per pedes auf Achse. Andere absolvieren ihre Tour mit dem Fahrrad oder Auto, je nach Entfernung oder verfügbarer Zeit.

Mitunter teilen sich auch Ehepaare die Aufgabe. Zum Beispiel Angelika und Dr. Dieter Küchler, die schon zu DDR-Zeiten Austräger waren. Auf neue Straßennamen und eine andere Nummerierung am Graupaer August-Röckel-Ring mussten sie sich nach der Wende erst einstellen. Gern haben manche beim Verteilen ihre pfiffigen Enkel dabei, weil sie flott sind und garantiert keinen Briefkasten verfehlen. Sie bleiben cool, sollten Hunde hinterm Zaun lauern und die Boten erschrecken.
Die Radlerin Frau Karin Herrmann hat auf ihrer Tour in Jessen immer ein paar mehr Exemplare im Gepäck - für Nachbarn ihrer „Kundschaft“, die Interesse bekunden. „Das tut ja nicht weh und macht Kirche für alle erlebbar“, meint sie. Denn der Brief gibt den Mitgliedern nicht nur geistliche Orientierung. Neben den Gottesdiensten sind auch kulturelle Events oder Termine aufgelistet, die allgemein interessieren. Und damit ist das Blatt als Nachrichten- und Informationsquelle unerlässlich für das Funktionieren der Gemeinde. Ohne Frage hing am Brief immer mühevolle Kleinarbeit, die aber von einer großen Helferschaft getragen wird.

Frühere Akteure wie Frau Johanna Gärtner und Frau Gerda Kegel, Frau Sabine Liebscher oder Frau Erna Wehner haben sich dabei Verdienste erworben. Seit Anfang der 80er Jahre trägt Frau Monika Tünnermeier die Gemeindebriefe aus und ist damit eine der ältesten und treuesten noch aktiven Helfer. Damals wurde beim Verteilen an der Tür geklingelt, erinnert sie sich. Man kam über Gott und die Welt ins Gespräch, erhielt auch Spenden. Seinerzeit war das nötig angesichts recht klammer Mittel der Kirchen. Computer gab es noch nicht. Das Mitteilungsblatt wurde im Pfarramt auf der Schreibmaschine getippt und vervielfältigt. Es war schwarz-weiß und hatte nur wenige Seiten. Papier war knapp. Manchmal fügte der Pfarrer die letzte Info noch per Hand hinzu. Das hatte dann einen besonderen Charme. Farbige Umschlagblätter mussten extra bestellt werden und kosteten auch extra.
Nach der Wende wurde der Gemeindebrief rundum moderner, erschien farbig und hatte mehr Seiten. Frau Katrin Schnabel überarbeitete vor Jahren das Layout, gestaltete die Rubriken übersichtlicher, sodass die Orientierung seitdem leichter fällt. Dieses Erscheinungsbild prägt die Kirchennachrichten bis heute.
Hannelore Angermann

Teil 7: Der Posaunenchor

Zweimal in der Woche treffen sich die Bläser zur Probe, jeweils für anderthalb Stunden. Dazu kommen das Üben zu Hause, die Dienste beim Gottesdienst oder anderen Veranstaltungen. Eine Bläserin hat noch als Erwachsene ihr Instrument erlernt, um mitspielen zu können. Wer das alles auf sich nimmt, muss gute Gründe dafür haben. Was macht euch den Chor so wichtig, möchte ich wissen. „Die Musik selbst“ sagt der eine, für andere ist es das „Abschalten vom Alltag“, die Lust, „etwas Anspruchsvolles zu erarbeiten“ oder die „Freude, mit netten Menschen zusammen zu sein“. Alle sind sich darin einig, dass der Posaunenchor viel mehr ist als eine Zweckgemeinschaft: Das Wichtigste sind die menschlichen Bindungen, jemand nennt das schöne Wort „Bläser-Familie“. Mit vielen Wandlungen gibt es den Posaunenchor seit fast 40 Jahren. Den ersten kontinuierlichen Grundstock legte 1981 der damalige Graupaer Pfarrer Michael Müller. Später übernahm Frau Wiebke Groeschel den Chor und führt ihn nun seit mehr als 15 Jahren.
Als Chorleiterin setzt sie die musikalischen Maßstäbe - und die sind nicht gering! Aber auch Fröhlichkeit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind ihr wichtig. Doch alle stimmen darin überein: „Null- Bock- Stimmung“ gibt es bei uns nicht! Wünschen würde man sich mehr Nachwuchs für den Posaunenchor. Es wäre schön, noch mehr Mitspieler zu gewinnen, egal ob jung oder alt. „Es ist gar nicht so schwer, auch spät noch einzusteigen“, versichert die Mitspielerin, die es wissen muss. Zu den Proben und Auftritten kommen die gemeinsamen Probenfreizeiten oder Reisen hinzu. Bei alledem erleben die Bläser immer wieder sehr viel Dankbarkeit bei den Zuhörern, ein großes Zugehörigkeitsgefühl der Bläserchöre untereinander und nicht zuletzt das gute Gefühl, mit ihrer Musik das Lob Gottes zu vermitteln. W.H.

Teil 8: Liebethaler GrundTon

Nur  Weihnachten  ist  es  ähnlich: Wenn  der  Liebethaler  GrundTon  zu seiner  jährlichen  Konzertreihe  einlädt, ist eine volle Kirche garantiert.
Oftmals  bilden  sich  Schlangen  vor dem  Einlass.  „Dass  dieser  Zuspruch bis  heute  anhält,  erfüllt  uns  mit Freude“,  sagt  Organisator  Armin  Groß.  Er  ist  Musiker  aus  Leidenschaft,  der selbst mehrere Instrumente spielt, gern am Schlagzeug sitzt und auch singt.
2012 aus der Taufe gehoben, ist die 8. Folge der Konzertreihe für 2020 bereits  unter  Dach  und  Fach.  Wie  immer  wird  sie  an  drei  Tagen  im  Herbst Kunstgenuss von großer Bandbreite bieten - aus den Genres Jazz und  Weltmusik.  
Der  damalige  Mut  von  Groß  und  seinen  Mitstreitern  trug  Früchte.  Trotz  anfänglicher Skepsis mancher Entscheidungsträger, die es bei einem Dankeskonzert nach der gelungenen Sanierung des Gotteshauses belassen wollten. Das aber war dem Bauingenieur zu wenig. „Ich stellte mir vor, welche magische Anziehungskraft  unsere  schöne  Kirche  -  gepaart  mit  guter  Musik  -  auf  Konzertbesucher haben könnte“, schildert Armin Groß seine Inspiration. Und tatsächlich:  Man  spürt  hier,  wie  der Funke von den Musikern aufs Publikum  überspringt  und  umgekehrt -  und  eine  kreative  Atmosphäre schafft,  wie  sie  nur  dieser  Gleichklang und stimmige äußere Bedingungen  erzeugen  können. Dass alles so kommen würde, war anfangs  längst  nicht  ausgemacht. „Ich  wusste  nur,  dass  wir  es  wagen sollten. Gewiss, weil ich selbst gern musiziere und viele Kontakte in der Szene  habe.  Und  das  sollte  nicht  verpuffen,  sondern  dauerhaft  für  uns  und den ländlichen Raum wirken“, sagt Groß.
Ziel war, nicht nur Gäste von außerhalb mit bekannten Musikern in die Kirche zu locken, sondern auch viele Einheimische.  „Deshalb  bin  ich  froh,  dass  ich  damals  im  Liebethaler  Ausschuss ‚Offene  Kirche’  sofort  Gleichgesinnte  fand“,  weiß  der  heute  47-Jährige. 
Sie zogen mit ihm an einem Strang - entgegen manchen Bedenken: Matthias Piel, Gudrun  Anacker,  Albrecht  Findeis,  Janet  Räubig,  Monika  Leuschke,  Annelie Fetkenheuer  und  natürlich  Armins  Frau  Anett.  Später  kamen  Hannelore  Angermann und Adéla Drechsel hinzu. Man einigte sich darauf, für die Konzerte keinen Eintritt zu nehmen, sondern am Ausgang Spenden einzusammeln. Dieses Konzept ging auf und trägt sich, obwohl Aufwendungen und Künstlergagen nicht unerheblich sind. Das sagt viel über die Qualität des Angebots und auch über die des Publikums. „Mich lehrte das Geschehen, dass man nie vorzeitig  aufgeben  sollte“,  meint  Groß  im  Rückblick.  Die  Getränke  für  die  Konzertpause  liefert  bis  heute  das  Liebethaler  Gästehaus,  die  Junge  Gemeinde übernahm sofort den Ausschank. - seit 2018 nun im angebauten Gemeinderaum. Es fällt schwer, Konzerte hervorzuheben, deren Qualität durchweg ansprach. Aber die 2016er Auflage „Bachialromantik - Jazzlust trifft die soultemperierte  Pascal“  mit  der  bekannten  Sängerin  Pascal  von  Wroblewsky  war  sicher ein besonderer Kunstgenuss. Auch die Dortmunder Band „Uwaga!“ faszinierte im Herbst 2018 mit Virtuosität und Spielfreude bei Mozartschem Balkan - Groove. Dass es mit der Konzertreihe wie gehabt weitergeht, wünscht sich sicher nicht nur Armin Groß, sondern auch ein großes, dankbares Publikum.
              Hannelore Angermann

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